Die Plastiksteuer - Alles was Sie wissen müssen

Die Plastiksteuer: Was Sie über die geplante Kunststoffverpackungssteuer wissen müssen

Was ist die geplante Plastiksteuer in Deutschland? Update Oktober 2026

Die geplante Plastiksteuer in Deutschland wird konkret. Nach dem derzeit vorliegenden Entwurf soll ab 1. Juli 2027 eine nationale Verbrauchsteuer von 550 Euro je Tonne Kunststoff auf bestimmte Kunststoffverpackungen, Folien und Halbzeuge erhoben werden.

Plastics Europe Deutschland lehnt die Kunststoffverpackungssteuer in der derzeit diskutierten Form ab. Sie würde Unternehmen und Verbraucher zusätzlich belasten, neue Bürokratie schaffen und könnte Investitionen und industrielle Wertschöpfung in Deutschland schwächen. Gleichzeitig fehlen aus Sicht der Verbände gezielte Anreize für mehr Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Die geplante Plastiksteuer auf einen Blick

  • Steuersatz: 550 Euro je Tonne enthaltenen Kunststoffs.
  • Geplanter Start: 1. Juli 2027.
  • Betroffen: unter anderem bestimmte Kunststoffverpackungen, Folien und Halbzeuge.
  • Ziel: zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt.
  • Kritik: Unternehmen und Verbände warnen vor höheren Kosten, zusätzlicher Bürokratie sowie Investitions- und Standortnachteilen.

Wichtig: Bei dem vorliegenden Vorschlag handelt es sich noch nicht um geltendes Recht. Das Gesetzgebungsverfahren läuft.

Was genau plant die Bundesregierung bei der Plastiksteuer?

Die geplante deutsche Kunststoffverpackungssteuer zählt derzeit zu den intensiv diskutierten wirtschafts- und umweltpolitischen Vorhaben. Nach dem gegenwärtigen Entwurf soll die Steuer ab 1. Juli 2027 erhoben werden und zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt generieren.

Wirtschafts- und Branchenverbände warnen vor zusätzlichen Kosten und bürokratischen Belastungen, Wettbewerbsnachteilen für den Standort Deutschland und möglichen Fehlanreizen für die Kreislaufwirtschaft.

Auch die ökologische Lenkungswirkung einer materialbezogenen Steuer ist umstritten. Entscheidend ist aus Sicht von PlasticsEurope Deutschland nicht allein, aus welchem Material eine Verpackung besteht, sondern wie recyclingfähig sie ist, wie viel Rezyklat eingesetzt wird und welche Umweltwirkungen sie über ihren gesamten Lebenszyklus verursacht.

Aktueller Stand der Plastiksteuer in Deutschland

Stand: 30. Oktober 2026

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, darunter PlasticsEurope Deutschland e. V., fordert, die neue Kunststoffverpackungssteuer nicht im Eilverfahren über das Haushaltsbegleitgesetz 2027 einzuführen. Die Verbände verlangen stattdessen eine umfassende Prüfung der wirtschaftlichen, administrativen und ökologischen Auswirkungen.

Die Verbände fordern:

  • einen vollständigen und begründeten Gesetzentwurf,
  • eine ordnungsgemäße Ressortbeteiligung und Verbändeanhörung,
  • eine belastbare Prüfung der wirtschaftlichen, administrativen und ökologischen Folgen unter Einbeziehung des Nationalen Normenkontrollrats,
  • ein reguläres parlamentarisches Verfahren einschließlich Beteiligung des Bundesrats und der zuständigen Ausschüsse.

Das Verbändeschreiben vom 29. Oktober 2026 fordert zudem, die vorgesehene Formulierungshilfe von der Tagesordnung der Kabinettssitzung am 4. November 2026 zu nehmen.

EU-Plastikabgabe und deutsche Plastiksteuer: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe EU-Plastikabgabe und Plastiksteuer werden häufig synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Instrumente.

Die seit 2021 bestehende EU-Plastikabgabe ist keine Steuer, die Unternehmen oder Verbraucher direkt an die EU zahlen. Sie ist Teil des EU-Eigenmittelsystems. Die Höhe des Beitrags eines Mitgliedstaates richtet sich nach der Menge der nicht recycelten Kunststoffverpackungsabfälle. Deutschland finanziert diesen Beitrag bislang aus dem Bundeshaushalt.

Davon zu unterscheiden ist die jetzt geplante deutsche Kunststoffverpackungssteuer. Dabei handelt es sich um eine nationale Verbrauchsteuer. Nach dem vorliegenden Entwurf soll sie zusätzliche Einnahmen für den deutschen Bundeshaushalt erzielen.

Diese klare Trennung ist wichtig: Die EU verpflichtet Deutschland nicht dazu, die EU-Plastikabgabe über eine nationale Plastiksteuer auf Kunststoffverpackungen zu refinanzieren. Die Ausgestaltung der nationalen Finanzierung liegt bei den Mitgliedstaaten.

Welche Kunststoffverpackungen wären von der Plastiksteuer betroffen?

Nach dem derzeit vorliegenden Entwurf sollen bestimmte Kunststoffverpackungen, Folien und Halbzeuge mit einer Verbrauchsteuer von 550 Euro je Tonne enthaltenen Kunststoffs belastet werden. Die Steuer soll für Steuerfälle gelten, die nach dem 30. Juni 2027 entstehen.

Betroffen wären damit verschiedene Bereiche entlang der Verpackungs-Wertschöpfungskette. Da sich das Vorhaben noch im politischen Verfahren befindet, können sich einzelne Regelungen allerdings noch ändern.

Zusätzliche Kosten könnten entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben werden und damit auch die Preise verpackter Produkte beeinflussen. Gerade bei Lebensmitteln, Kosmetik oder anderen Produkten erfüllen Kunststoffverpackungen wichtige Funktionen für Produktschutz, Hygiene und Haltbarkeit.

Plastiksteuer als „Steuer auf Made in Germany“?

Ein besonders kritischer Punkt betrifft die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktion.

Nach der derzeitigen Auslegung könnten in Deutschland hergestellte beziehungsweise nach Deutschland eingeführte leere steuerpflichtige Verpackungsmittel der Steuer unterliegen. Bereits im Ausland befüllte und anschließend nach Deutschland eingeführte Waren könnten dagegen anders behandelt werden. Die zugrunde liegende Auslegung zur Behandlung befüllter Importe ist bislang nicht amtlich bestätigt.

Das Problem: Für Produkte auf dem deutschen Markt könnte es steuerlich einen Unterschied machen, ob sie in Deutschland oder bereits im Ausland verpackt beziehungsweise abgefüllt wurden. Damit besteht das Risiko, heimische Produktion stärker zu belasten als den Import fertig verpackter Waren.

Drei mögliche Folgen

  1. Wettbewerbsnachteil für Deutschland
    Zusätzliche Kosten können insbesondere dort entstehen, wo Verpackungen in Deutschland hergestellt und Produkte hier abgefüllt werden.
  2. Risiko von Produktionsverlagerungen
    Wird die Abfüllung außerhalb Deutschlands steuerlich günstiger, können Anreize entstehen, Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern.
  3. Fragliche Umweltwirkung
    Eine Verlagerung der Abfüllung ins Ausland reduziert nicht automatisch die Menge der Verpackungen, die anschließend auf den deutschen Markt gelangt.

➡️ Infografik: „Steuer auf Made in Germany“ herunterladen

Welche Folgen hätte die Plastiksteuer für Unternehmen und Investitionen?

Eine aktuelle Unternehmensumfrage zeigt erhebliche wirtschaftliche Bedenken. An der Befragung nahmen 306 Teilnehmende aus Verpackungsherstellung und Abfüllung teil.

  • Rund 70 Prozent der 306 Teilnehmenden rechnen mit sinkenden oder stark sinkenden Absatzmengen.
  • Rund 43 Prozent rechnen damit, ihre Investitionen zu reduzieren.
  • Darüber hinaus werden Produktionsverlagerungen und Standortschließungen als mögliche Konsequenzen genannt.

Die Ergebnisse zeigen: Die Diskussion über die Plastiksteuer betrifft nicht nur Verpackungskosten, sondern auch Investitionen, Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung in Deutschland.

➡️ Unternehmensumfrage zur geplanten Plastiksteuer herunterladen

Warum lehnt PlasticsEurope Deutschland die Plastiksteuer ab?

PlasticsEurope Deutschland lehnt die geplante Kunststoffverpackungssteuer in ihrer derzeit diskutierten Form aus fünf zentralen Gründen ab.

1. Mehr Bürokratie statt weniger

Unternehmen müssten Kunststoffmengen ermitteln, dokumentieren sowie zusätzliche Steueranmeldungen und Nachweise vornehmen. Der Gesetzentwurf beziffert den zusätzlichen jährlichen Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft auf rund 44 Millionen Euro sowie einen einmaligen Umstellungsaufwand von rund 8,8 Millionen Euro. Die beteiligten Verbände halten diese Schätzungen für zu niedrig.

2. Wettbewerbsnachteil für den Standort Deutschland

Ein nationaler steuerlicher Sonderweg kann die Produktion und Abfüllung in Deutschland gegenüber grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten zusätzlich belasten.

3. Höhere Kosten für Produkte des täglichen Bedarfs

Nach Darstellung des Verbändepapiers geht der Gesetzentwurf davon aus, dass die zusätzliche Steuerbelastung an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wird. Das betrifft auch Verpackungen, die für Produktschutz, Hygiene oder Haltbarkeit benötigt werden.

4. Zusätzlicher Aufwand für Staat und Verwaltung

Nach Angaben des Verbändepapiers sieht der Entwurf 819 zusätzliche Vollzeitstellen bei Zollverwaltung, Informationstechnikzentrum Bund und Bundesfinanzministerium vor. Ab 2029 wird ein laufender Aufwand von rund 104 Millionen Euro jährlich genannt. Die Verbände halten auch diesen Personalbedarf für unterschätzt.

5. Keine gezielten Anreize für mehr Kreislaufwirtschaft

Aus Sicht der Verbände schafft die Steuer keine gezielten Investitionsanreize für besser recyclingfähige Verpackungen oder zusätzliche Recyclingkapazitäten. Stattdessen sprechen sie sich für Instrumente aus, die ökologische Eigenschaften von Verpackungen gezielt honorieren.

Fördert die Plastiksteuer Recycling und Kreislaufwirtschaft?

Eine zentrale Frage lautet: Führt eine höhere Besteuerung von Kunststoff automatisch zu mehr Recycling?

PlasticsEurope Deutschland sieht hier erhebliche Zweifel. Eine Steuer, die primär am verwendeten Material ansetzt, belohnt nicht automatisch die Recyclingfähigkeit einer Verpackung. Auch Verpackungen, die bereits kreislauffähiger gestaltet wurden, können dadurch finanziell belastet werden.

Gleichzeitig findet die Transformation bereits statt: Die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen aus Gelbem Sack beziehungsweise Gelber Tonne ist laut Verbändepapier von 42 Prozent im Jahr 2018 auf 70,8 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Auch der Verpackungsverbrauch in Deutschland ist dem Papier zufolge seit 2021 rückläufig, einschließlich der Menge an Kunststoffverpackungen.

Politische Instrumente sollten diese Transformation gezielt beschleunigen, statt pauschal ein einzelnes Material zusätzlich zu besteuern.

Was wäre eine Alternative zur Plastiksteuer?

Aus Sicht von PlasticsEurope Deutschland braucht Deutschland Rahmenbedingungen, die Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und ökologische Leistung belohnen.

Eine materialneutrale Ökomodulierung der Lizenzentgelte kann gezielter dort ansetzen, wo Verpackungen kreislauffähiger gestaltet werden. Im Rahmen des Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes wird ein entsprechendes Instrument bereits politisch ausgestaltet.

Wirkt die geplante Plastiksteuer wirklich für mehr Recycling?

Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, prüft den Gesetzesentwurf anhand von drei Fragen: Wie unterstützt die Steuer das Recycling? Wie geht sie mit umweltfreundlichen Verpackungen um? Und ist weniger Kunststoff automatisch besser?

Wie hoch ist die EU-Plastikabgabe für Deutschland?

Die Höhe des deutschen Beitrags zum EU-Kunststoff-Eigenmittel bemisst sich nach der Menge der nicht recycelten Kunststoffverpackungsabfälle. Der Berechnungssatz beträgt 0,80 Euro je Kilogramm. Nach der auf der bestehenden Seite dargestellten Finanzplanung beläuft sich der deutsche Beitrag auf rund 1,26 Milliarden Euro pro Jahr. Rechnerisch entspricht dies etwa 1,6 Millionen Tonnen nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle.

Wichtig ist auch hier: Dieser EU-Beitrag und die geplante deutsche Kunststoffverpackungssteuer sind zwei unterschiedliche Instrumente.

Wohin sollen die Einnahmen der deutschen Plastiksteuer fließen?

Die geplante nationale Kunststoffverpackungssteuer soll zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt generieren. Sie ist von der EU-Plastikabgabe zu unterscheiden.

Die Verbände kritisieren insbesondere, dass mit der geplanten Steuer keine gezielten Investitionsanreize für nachhaltigere Verpackungslösungen oder zusätzliche Recyclingkapazitäten verbunden sind.

Wird die Plastiksteuer Produkte für Verbraucher verteuern?

Zusätzliche Kosten könnten entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben werden. Nach Angaben des Verbändepapiers geht auch der Gesetzentwurf von einer Überwälzung der zusätzlichen Steuerbelastung auf Verbraucherinnen und Verbraucher aus.

Das kann insbesondere Produkte betreffen, bei denen Kunststoffverpackungen wichtige Funktionen für Lebensmittelsicherheit, Produktschutz, Hygiene oder Haltbarkeit erfüllen.

Was bedeutet die Plastiksteuer für Unternehmen?

Unternehmen, die von der geplanten Kunststoffverpackungssteuer betroffen sein könnten, müssen sich neben möglichen zusätzlichen Kosten auch auf neue Dokumentations-, Nachweis- und Meldepflichten einstellen.

Besonders relevant sind dabei:

  • die voraussichtlich steuerpflichtigen Kunststoffmengen,
  • die Herkunft und Zusammensetzung von Verpackungen,
  • mögliche Nachweise für Rezyklate,
  • Auswirkungen auf Beschaffung und Lieferketten,
  • die Kostenwirkung auf Produkte und Kunden,
  • mögliche Auswirkungen auf Investitions- und Standortentscheidungen.

Da das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, können sich einzelne Regelungen ändern. Unternehmen sollten die weitere politische Entwicklung daher aufmerksam verfolgen.

FAQ zur Plastiksteuer in Deutschland

Wann soll die Plastiksteuer in Deutschland kommen?

Nach dem derzeit vorliegenden Entwurf soll die Kunststoffverpackungssteuer ab 1. Juli 2027 erhoben werden. Das Gesetzgebungsverfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Wie hoch soll die Plastiksteuer sein?

Vorgesehen ist ein Steuersatz von 550 Euro je Tonne enthaltenen Kunststoffs bei den erfassten Produkten.

Ist die deutsche Plastiksteuer dasselbe wie die EU-Plastikabgabe?

Nein. Die EU-Plastikabgabe ist Teil des EU-Eigenmittelsystems und wird von den Mitgliedstaaten finanziert. Die geplante deutsche Kunststoffverpackungssteuer wäre dagegen eine nationale Verbrauchsteuer.

Welche Verpackungen sind von der Plastiksteuer betroffen?

Nach dem vorliegenden Entwurf sollen unter anderem bestimmte Kunststoffverpackungen, Folien und Halbzeuge erfasst werden. Da das Gesetzgebungsverfahren läuft, können sich Einzelheiten noch ändern.

Führt die Plastiksteuer zu mehr Recycling?

Das ist umstritten. Die beteiligten Wirtschaftsverbände kritisieren, dass die Steuer keine gezielten Investitionsanreize für recyclingfähigere Verpackungen oder zusätzliche Recyclingkapazitäten setzt.

Warum lehnt Plastics Europe Deutschland die Plastiksteuer ab?

Plastics Europe Deutschland kritisiert insbesondere zusätzliche Bürokratie und Kosten, mögliche Standort- und Wettbewerbsnachteile sowie eine fehlende zielgenaue Lenkungswirkung für die Kreislaufwirtschaft. Stattdessen setzt sich der Verband für gezielte ökologische Anreize ein.

Interview mit einem Verpackungshersteller aus Nordrhein-Westfalen

Laut Gesetzentwurf soll die Plastiksteuer den Verbrauch von Kunststoffverpackungen verringern und Einnahmen für den Bundeshaushalt bringen. Wir fragen einen Verpackungshersteller aus Nordrhein-Westfalen, der auf Recyclingfähigkeit umgestellt hat: Wird das berücksichtigt? Und hat die Plastiksteuer wirklich eine Lenkungswirkung?

Plastiksteuer: Recyclingfähige Verpackungen trotzdem besteuert?

Ihre Ansprechpartnerin für die Plastiksteuer:

Dr. Christine Bunte
Plastics Europe Deutschland
Hauptgeschäftsführerin
Telefon: +49 (69) 2556-1359