Die Plastiksteuer: Was Sie wissen müssen
Was ist die Plastiksteuer und warum sie eingeführt werden soll?
Die sogenannte EU-Plastikabgabe ist keine Steuer für Unternehmen oder Verbraucher. Sie dient als Berechnungsgrundlage für die Beiträge der Mitgliedstaaten zum EU-Haushalt¹. Die Höhe des jeweiligen Beitrags richtet sich nach der Menge nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle. Ob dieser Beitrag aus allgemeinen Haushaltsmitteln finanziert oder über nationale Abgaben- beziehungsweise Steuermodelle refinanziert wird, entscheiden die Mitgliedstaaten selbst.
Die EU-Plastikabgabe wurde vor allem als Finanzierungsinstrument für den EU-Haushalt eingeführt. Während die meisten Mitgliedstaaten die Zahlungen weiterhin aus dem Staatshaushalt leisten, erhebt Spanien seit 2023 eine nationale Steuer von 0,45 Euro je Kilogramm nicht recycelten Kunststoffs in nicht wiederverwendbaren Verpackungen.
Befürworter einer Plastiksteuer auf Kunststoffverpackungen versprechen sich davon Anreize für mehr Recycling und weniger Verpackungsabfälle. Ob diese gewünschte Lenkungswirkung tatsächlich erreicht wird, ist jedoch umstritten. Ein für EsPlásticos erstelltes Deloitte-Gutachten aus dem Jahr 2026 konnte für Spanien bislang keine eindeutigen Umweltwirkungen nachweisen.
Auch das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Besteuerung eines einzelnen Verpackungsmaterials zu Verlagerungen auf andere Materialien führen kann, ohne dass dadurch zwangsläufig Umweltvorteile entstehen. Im Gegenteil besteht das Risiko einer ökologischen Fehlsteuerung, wenn alternative Verpackungslösungen über ihren gesamten Lebenszyklus keinen geringeren ökologischen Fußabdruck aufweisen als Kunststoffverpackungen.
¹ Deutscher Bundestag, Bundestagsdrucksache 20/7148. Die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Bettina Hoffmann erklärte: „Weder um eine Steuer noch um eine Abgabe. Sie ist vielmehr eine Methode zur Berechnung der Beiträge zum EU-Haushalt.“
Wie wurde die Höhe der EU-Plastikabgabe berechnet?
Die Höhe des deutschen Beitrags zum EU-Kunststoff-Eigenmittel bemisst sich nach der Menge der nicht recycelten Kunststoffverpackungsabfälle. Der aktuelle Satz beträgt 0,80 Euro pro Kilogramm. Nach der aktuellen Finanzplanung der Bundesregierung beläuft sich der deutsche EU-Kunststoff-Eigenmittelbeitrag auf rund 1,26 Milliarden Euro pro Jahr. Dies entspricht rechnerisch etwa 1,6 Millionen Tonnen nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle.
Warum gibt es politischen Streit rund um die Plastiksteuer in Deutschland?
Die Diskussion um eine nationale Plastiksteuer hat in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder an Bedeutung gewonnen. Während der deutsche Beitrag zum EU-Kunststoff-Eigenmittel bislang aus dem allgemeinen Bundeshaushalt finanziert wird, hat die Bundesregierung im Juli 2026 beschlossen, die Einführung einer nationalen Verbrauchsteuer auf Kunststoffverpackungen vorzubereiten. Ziel ist es, dauerhaft Einnahmen in Höhe des deutschen EU-Kunststoff-Eigenmittelbeitrags von rund 1,26 Milliarden Euro pro Jahr zu erzielen.
Politisch umstritten ist dabei weniger das Einnahmeziel als die konkrete Ausgestaltung der Steuer. Nach Auffassung zahlreicher Wirtschafts- und Branchenverbände liegen bislang wesentliche Fragen offen. Dazu gehören insbesondere der Kreis der Steuerpflichtigen, die Bemessungsgrundlage, mögliche Ausnahmen, die Behandlung von Importen, ökologische Differenzierungen sowie der Verwaltungs- und Vollzugsaufwand.
Zusätzliche Kritik entzündet sich am geplanten Gesetzgebungsverfahren. Nach den den Verbänden vorliegenden Informationen soll die neue Verbrauchsteuer über eine Formulierungshilfe und einen Änderungsantrag in das laufende Haushaltsbegleitgesetz 2027 eingebracht werden. Mehrere Verbände sehen darin ein beispielloses Schnellverfahren für die Einführung eines vollständig neuen Verbrauchsteuergesetzes und fordern stattdessen eine reguläre Ressortabstimmung, eine umfassende Folgenabschätzung sowie eine Befassung des Bundeskabinetts.
Darüber hinaus wird kontrovers diskutiert, welche wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen eine Plastiksteuer hätte. Kritiker befürchten zusätzliche Bürokratiekosten für Unternehmen, Belastungen für Verbraucher sowie Fehlanreize zulasten der Kreislaufwirtschaft. Befürworter sehen dagegen in einer nationalen Abgabe die Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu erzielen und Anreize für nachhaltig gestaltete Verpackungen zu setzen.
Welche Produkte sind von der EU-Plastikabgabe betroffen?
Generell zielt die EU-Plastikabgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen. Viele EU-Mitgliedsstaaten haben bereits eine zusätzliche Abgabe auf Einwegkunststoffprodukte im Rahmen der Umsetzung der Single Use Plastics Directive eingeführt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Kostendifferenz, die sich durch eine zusätzliche Plastikabgabe ergibt, an die Verbraucher weitergegeben wird. Das würde bedeuten, dass Plastikprodukte und Produkte, die in Plastik verpackt sind, teurer werden können.
Die konkrete Ausgestaltung ist bislang jedoch nicht abschließend festgelegt. Offen sind insbesondere die Fragen, welche Verpackungen erfasst werden, wer die Steuer entrichten müsste und welche Ausnahmen gelten würden.
Sollte eine nationale Plastiksteuer eingeführt werden, rechnen zahlreiche Verbände damit, dass zusätzliche Kosten zumindest teilweise entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben werden und sich dadurch Preise für verpackte Produkte erhöhen können.
Gibt es Ausnahmen oder Reduzierungen bei der Plastiksteuer für bestimmte Produkte oder Industrien?
Die Mitgliedsstaaten der EU haben einen gewissen Gestaltungsspielraum, wie sie die Erhebung der Plastiksteuer auslegen können. Auf europäischer Ebene ist jedoch zu beobachten, dass Kunststoffprodukte mit einem bestimmten Rezyklatgehalt öfter von der Abgabe ausgenommen werden.
Die Bundesregierung hat sich bislang noch nicht geäußert, wie sie sich die Ausgestaltung der Plastiksteuer konkret vorstellt. Denkbar wären jedoch Ausnahmen, für kleine Unternehmen, bio-basierte, bioabbaubare sowie recycelte Kunststoffe.
Wie könnte sich die Plastiksteuer auf Verbraucherpreise auswirken?
Die konkrete Ausgestaltung der geplanten Plastiksteuer steht derzeit noch nicht fest. Offen ist insbesondere, wer die Steuer entrichten müsste, welche Verpackungen erfasst würden und welche Ausnahmen gelten könnten.
Sollte eine nationale Verbrauchsteuer auf Kunststoffverpackungen eingeführt werden, erwarten zahlreiche Verbände, dass die zusätzlichen Kosten entlang der Wertschöpfungskette zumindest teilweise an Verbraucher weitergegeben würden. Betroffen wären insbesondere Produkte, bei denen Kunststoffverpackungen aus Gründen des Produktschutzes, der Hygiene oder der Haltbarkeit erforderlich sind.
Die Verbände gehen davon aus, dass die durchschnittliche Mehrbelastung einschließlich Bürokratie- und Vollzugskosten rechnerisch bei rund 50 Euro je Haushalt und Jahr liegen könnte. Hintergrund ist, dass Verbrauchsteuern grundsätzlich darauf ausgerichtet sind, wirtschaftlich vom Endverbraucher getragen zu werden.
Wie sollen die Einnahmen aus der Plastiksteuer verwendet werden?
Die Einnahmen aus der EU-Plastikabgabe sind ursprünglich für den EU-Haushalt vorgesehen und sollen dazu beitragen, u.a. die Ziele des europäischen Green Deals zu finanzieren. Dazu können Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und zur Reduzierung der Umweltauswirkungen von Plastik gehören.
Welche langfristigen Auswirkungen könnte die Plastiksteuer auf die Kunststoffindustrie haben?
Die Einführung einer Plastiksteuer auf Kunststoffverpackungen würde voraussichtlich zu höheren Kosten für Unternehmen und Verbraucher führen. Kunststoffverpackungen sowie zahlreiche Produkte aus Kunststoff könnten dadurch teurer werden. Gleichzeitig steht die deutsche und europäische Kunststoffindustrie bereits heute unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Hohe Energiepreise, steigende Produktionskosten und wachsende regulatorische Anforderungen führen dazu, dass sich Teile der Kunststoffproduktion und -verarbeitung zunehmend in andere Weltregionen verlagern.
Eine zusätzliche Besteuerung von Kunststoffverpackungen könnte diesen Trend weiter verstärken. Hinzu kommt das Risiko von Materialsubstitutionen, wenn Unternehmen auf alternative Verpackungsmaterialien ausweichen, die nicht zwangsläufig eine bessere Umweltbilanz aufweisen.
Diskutierte Ausnahmen für Kunststoffprodukte mit einem bestimmten Rezyklatgehalt könnten zudem den Import von Erzeugnissen mit schwer überprüfbaren Rezyklatnachweisen begünstigen. Dadurch würden sowohl europäisches Rezyklat als auch Primärkunststoff verteuert, während sich die Wettbewerbsnachteile der europäischen Kunststoffindustrie auf dem globalen Markt weiter verschärfen könnten.
Nach Einschätzung von Branchenverbänden sind die Herausforderungen für den Standort Deutschland jedoch bereits heute erheblich. Als zentrale Kostentreiber gelten insbesondere hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie sowie langwierige Genehmigungs- und Antragsverfahren. Vor diesem Hintergrund wird die Lenkungswirkung der Plastiksteuer von vielen Branchenvertretern als begrenzt eingeschätzt.
Welche Kritik gibt es an der Plastiksteuer?
Kritiker der geplanten Plastiksteuer sehen in ihr eine zusätzliche Belastung für Unternehmen, Verbraucher und Verwaltung. Die Kunststoffindustrie steht bereits heute unter erheblichem Druck durch hohe Energie- und Rohstoffkosten, wachsende regulatorische Anforderungen sowie zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck. Eine nationale Verbrauchsteuer auf Kunststoffverpackungen würde diese Belastungen weiter erhöhen und könnte Investitionen sowie die industrielle Wertschöpfung in Deutschland beeinträchtigen.
Darüber hinaus wird auf den erheblichen Bürokratie- und Vollzugsaufwand hingewiesen. Nach Berechnungen auf Grundlage einer Studie des Umweltbundesamtes könnten die Bürokratiekosten für Unternehmen mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr betragen. Hinzu kämen zusätzliche Verwaltungs- und Kontrollaufgaben für die Zollverwaltung.
Auch aus ökologischer Sicht ist die Einführung einer Plastiksteuer umstritten. Das Umweltbundesamt warnt davor, Kunststoffverpackungen isoliert zu verteuern, da dies Ausweichreaktionen hin zu anderen Verpackungsmaterialien auslösen kann, die über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet nicht zwangsläufig umweltfreundlicher sind. Besonders kritisch wird die mögliche Verlagerung hin zu schwer recyclingfähigen Verbundverpackungen bewertet.
Kritiker bezweifeln zudem, dass eine Plastiksteuer die gewünschte Lenkungswirkung tatsächlich erreicht. Als zielgenauere Alternative wird häufig die Ökomodulierung der Lizenzentgelte im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung genannt. Dabei würden Verpackungen anhand ihrer tatsächlichen Recyclingfähigkeit und ihres Rezyklatanteils bewertet und nicht allein aufgrund des verwendeten Materials.
Als Praxisbeispiel wird häufig Spanien angeführt. Dort berichten Industrieverbände von hohen Bürokratiekosten, zunehmendem Importdruck und bislang nicht nachweisbaren Verbesserungen bei Kreislaufwirtschaft und Rezyklateinsatz infolge der Einführung einer nationalen Plastiksteuer.
Was bedeutet die Plastiksteuer für Ihr Unternehmen?
Die Einführung einer Plastiksteuer auf Kunststoffverpackungen kann erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen haben, die Kunststoffverpackungen oder andere Kunststoffprodukte herstellen, importieren oder vertreiben. Zusätzliche Steuerbelastungen könnten die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhöhen und zu steigenden Preisen für Unternehmen und Verbraucher führen.
Neben höheren Kosten ist auch mit einem steigenden administrativen Aufwand zu rechnen. Unternehmen müssten die steuerlichen Vorgaben dokumentieren, relevante Daten erfassen und mögliche Nachweis- und Meldepflichten erfüllen. Davon betroffen wären nicht nur Hersteller und Importeure, sondern auch Händler, Online-Shops und andere Unternehmen, die Kunststoffverpackungen oder verpackte Produkte in Verkehr bringen.
Da die konkrete Ausgestaltung einer möglichen deutschen Plastiksteuer weiterhin Gegenstand politischer Diskussionen ist, sollten Unternehmen die Entwicklung frühzeitig beobachten und die potenziellen Auswirkungen auf Beschaffung, Produktion, Verpackungsstrategien und Kostenstrukturen prüfen. Eine rechtzeitige Vorbereitung kann dabei helfen, wirtschaftliche Risiken und zusätzlichen Verwaltungsaufwand zu begrenzen.