Die Plastiksteuer - Alles was Sie wissen müssen

Die Plastiksteuer: Was Sie wissen müssen

Was ist die Plastiksteuer und warum sie eingeführt werden soll?

Die EU‑Plastikabgabe ist eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen, die 2021 von der Europäischen Union eingeführt wurde. Sie dient der Gegenfinanzierung der Schulden, die im Rahmen des Wiederaufbauprogramms nach der Corona‑Pandemie („NextGenerationEU“) aufgenommen wurden. Die EU‑Plastikabgabe ist für alle Mitgliedstaaten verbindlich. In ihrer Entscheidung liegt jedoch, ob sie aus staatlichen Mitteln finanziert oder auf die Bürgerinnen und Bürger umgelegt wird, etwa in Form einer Plastiksteuer.

Auf europäischer Ebene wurde die Plastiksteuer in erster Linie als Haushaltsinstrument eingeführt. Bisher zahlen die meisten europäischen Länder die Plastikabgabe aus dem Staatshaushalt. Nur Spanien (ab dem 1. Januar 2027) hat die Abgabe bislang auf Unternehmen umgelegt. Befürworter erhofften sich jedoch zugleich eine Lenkungswirkung, um die Recyclingquote zu erhöhen, den Anteil nicht recycelten Plastikmülls zu verringern und den Umweltschutz langfristig zu stärken. Diese Lenkungswirkung, wie zuletzt am Beispiel Spaniens gezeigt wurde, ist jedoch nicht belegbar. Auch das Umweltbundesamt in Deutschland warnt davor, dass eine auf ein einzelnes Material beschränkte Steuer dazu führen könnte, dass Verpackungshersteller auf andere Materialien ausweichen, ohne dass ein nachweisbarer Umweltvorteil entsteht. Im Gegenteil sieht das Umweltbundesamt im Falle einer Plastiksteuer sogar das Risiko einer ökologischen Fehlsteuerung.

Wie wurde die Höhe der EU-Plastikabgabe berechnet?

Bislang hängt die Höhe der EU-Plastikabgabe von dem Gewicht des nicht recycelten Plastikmülls ab. Der aktuelle Satz beträgt 0,80 EUR pro Kilogramm. Im Juli 2025 hat die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt, die EU-Plastikabgabe um 20 Cent pro kg nicht recycelten Kunststoff zu erhöhen. Bis heute gibt es keine Entscheidung dazu.

Deutschland zahlt jährlich ca. 1,4 Milliarden Euro an die EU, was in etwa 1,7 Millionen Tonnen nicht recyceltem Plastikmüll entspricht.

Warum gibt es politischen Streit rund um die Plastiksteuer in Deutschland?

Bisher hat die Bundesregierung die EU-Plastikabgabe, wie die meisten europäischen Länder, aus dem Staatshaushalt gezahlt. Im Streit um den Bundeshaushalt 2024 kündigte die Bundesregierung jedoch an, die Plastiksteuer auch in Deutschland auf Unternehmen übertragen zu wollen, verwarf diese Pläne später jedoch unter anderem wegen der komplexen Umsetzung. Ziel war es, mit der Plastikabgabe im Jahr 2024 die jährlichen Zahlungen an Brüssel in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro zu refinanzieren. Diese und weitere Maßnahmen, etwa eine höhere Besteuerung von Inlandsflügen, sollten dazu beitragen, das infolge des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Umwidmung von Corona‑Krediten entstandene Haushaltsdefizit von 60 Milliarden Euro auszugleichen.

Der damalige Finanzminister, Christian Lindner (FDP), hatte die Pläne zur Einführung der Plastiksteuer aber im April 2024 wieder verworfen, da sich die Einführung der Abgabe als zu kompliziert erwies. Das Bundeskanzleramt, das Bundesumweltministerium und das Bundesfinanzministerium konnten sich zu der Zeit nicht auf ein praktikables Modell einigen.

Im April 2026 unternahm das Bundesfinanzministerium, unter Lars Klingbeil (SPD), einen erneuten Anlauf, um die Plastiksteuer einzuführen. Zur genauen Ausgestaltung der Plastiksteuer wurden bisher jedoch keine detaillierten Angaben gemacht.

Welche Produkte sind von der EU-Plastikabgabe betroffen?

Generell zielt die EU-Plastikabgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen. Viele EU-Mitgliedsstaaten haben bereits eine zusätzliche Abgabe auf Einwegkunststoffprodukte im Rahmen der Umsetzung der Single Use Plastics Directive eingeführt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Kostendifferenz, die sich durch eine zusätzliche Plastikabgabe ergibt, an die Verbraucher weitergegeben wird. Das würde bedeuten, dass Plastikprodukte und Produkte, die in Plastik verpackt sind, teurer werden können.

Gibt es Ausnahmen oder Reduzierungen bei der Plastiksteuer für bestimmte Produkte oder Industrien?

Die Mitgliedsstaaten der EU haben einen gewissen Gestaltungsspielraum, wie sie die Erhebung der Plastiksteuer auslegen können. Auf europäischer Ebene ist jedoch zu beobachten, dass Kunststoffprodukte mit einem bestimmten Rezyklatgehalt öfter von der Abgabe ausgenommen werden.

Die Bundesregierung hat sich bislang noch nicht geäußert, wie sie sich die Ausgestaltung der Plastiksteuer konkret vorstellt. Denkbar wären jedoch Ausnahmen, für kleine Unternehmen, bio-basierte, bioabbaubare sowie recycelte Kunststoffe.

Wie könnte sich die Plastiksteuer auf Verbraucherpreise auswirken?

Die Plastiksteuer könnte die Preise für Plastikprodukte und Verpackungen erhöhen, da Hersteller und Importeure möglicherweise die Kosten der Steuer an die Verbraucher weitergeben. Besonders Produkte mit viel Plastik könnten teurer werden. Die EU-Plastikabgabe beträgt derzeit 0,80 EUR pro Kilogramm nicht recycelten Kunststoffabfalls. Nach Hochrechnungen der Frankfurter Rundschau entstehen bei Verbrauchern durch die Umlage der Steuer nach konservativer Betrachtung etwa 30,40 Euro zusätzliche Kosten im Jahr.

Wie sollen die Einnahmen aus der Plastiksteuer verwendet werden?

Die Einnahmen aus der EU-Plastikabgabe sind ursprünglich für den EU-Haushalt vorgesehen und sollen dazu beitragen, u.a. die Ziele des europäischen Green Deals zu finanzieren. Dazu können Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und zur Reduzierung der Umweltauswirkungen von Plastik gehören.

Welche langfristigen Auswirkungen könnte die Plastiksteuer auf die Kunststoffindustrie haben?

Produkte aus Kunststoff sowie in Kunststoff verpackte Waren werden durch die Einführung der Plastiksteuer in Deutschland voraussichtlich teurer. Bereits heute führen hohe Produktionskosten und steigende Verbraucherpreise dazu, dass sich die Kunststoffproduktion und -verarbeitung zunehmend ins Ausland verlagern, etwa in die USA oder nach China. Ausweichreaktionen hin zu anderen Verpackungsmaterialien können diese Entwicklung weiter verstärken. Ausnahmen für Kunststoffprodukte mit einem Rezyklatgehalt könnten zudem erhöhte Importe von Erzeugnissen mit zweifelhaften Rezyklatnachweisen, insbesondere aus Asien, begünstigen. In der Folge würden europäisches Rezyklat und Primärkunststoff verteuert, was die bereits bestehenden Wettbewerbsnachteile auf dem globalen Kunststoffmarkt weiter verschärfen würde.

Es ist jedoch anzumerken, dass die Haupttreiber einer Preiserhöhung von Kunststoffprodukten, neben den hohen Energiepreisen, vor allem die Kosten des hohen bürokratischen Aufwands sowie langwierige Antragsverfahren in der EU sind. Im Vergleich zu diesen Kostentreibern fällt die Plastiksteuer kaum ins Gewicht. Entsprechend gering schätzen Branchenverbände die Lenkungswirkung der Plastiksteuer ein.

Welche Kritik gibt es an der Plastiksteuer?

Kritiker der Plastiksteuer argumentieren, dass die Plastiksteuer das falsche Signal, zur Falschen Zeit sende, da sie eine zusätzliche Belastung für die Industrie darstelle, die ohnehin unter Druck stehe. Die Kunststoffbranche leide bereits heute unter hohen Energiepreisen, bürokratischen Hürden, wachsender Regulierung und deutlichen Wettbewerbsnachteilen. Während die weltweite Kunststoffproduktion weiter wächst, ist die Produktion in Deutschland innerhalb von vier Jahren um 26 Prozent zurückgegangen. Eine nationale Sonderabgabe würde diese Entwicklung verschärfen und Investitionen sowie Arbeitsplätze zusätzlich gefährden.

Auch aus ökologischer Sicht wäre die Einführung der Plastiksteuer problematisch. Eine Plastikabgabe würde in erster Linie die Kosten für Verbraucher erhöhen, ohne die gewünschte Lenkungswirkung zu entfalten. Es gäbe zudem sehr viel effizientere Wege, die Menge an Verpackungsmüll zu reduzieren und den Anteil der kreislauffähigen Verpackungen zu erhöhen. Beispielsweise durch eine Anpassung der Lizenzentgelder für die Teilnahme am dualen System, die für alle Verpackungsmaterialien gleichermaßen gelten. Wenn gut recycelbare Verpackungen mit hohem Rezyklatanteil einen geringeren Beitrag für die anschließende Sammlung und Verwertung zahlen würden als schwer recycelbare Verpackungen, hätte dies eine viel größere Lenkungswirkung als die Einführung einer Plastiksteuer, die nur auf ein Material abzielt.

Es sei auch immer noch umstritten, ob bestimmte Sonderregeln, die ausschließlich für Kunststoff gelten, überhaupt mit dem EU-Recht vereinbar sind. Das Umweltbundesamt sieht zudem die Gefahr, dass die Einführung der Plastiksteuer dazu führen könnte, dass Plastik durch andere Verpackungsmaterialien ersetzt werden könnte, die in der Bilanz zu einem höheren ökologischen Fußabdruck führen.

Österreich hat Mitte April 2026 aus den genannten Gründen entschieden, eine nationale Umlage der Abgabe nicht weiterzuverfolgen.

Was bedeutet die Plastiksteuer für Ihr Unternehmen?

Die Einführung der Plastiksteuer hat potenzielle Auswirkungen auf Unternehmen, die Plastikprodukte herstellen oder importieren. Die Kosten für Plastikprodukte und Verpackungen werden voraussichtlich steigen, da Unternehmen aufgrund des Wettbewerbsdrucks gezwungen sind, die Steuer an Kunden weiterzugeben und ihre Produktionsprozesse anzupassen. Zudem ist davon auszugehen, dass aufseiten der Unternehmen der bürokratische Aufwand zunimmt. Denn sofern der Anteil von Plastik falsch angegeben, oder besteuert wurde, birgt dies das Risiko, dass die Waren beschlagnahmt werden und das Unternehmen, sowie die verantwortlichen Personen sanktioniert werden. Dies betrifft auch Online-Shops und Händler, die mit solchen Waren handeln. Es ist daher zu empfehlen, die Entwicklungen in Bezug auf die Plastiksteuer genau zu verfolgen und deren mögliche Auswirkungen auf das eigene Unternehmen zu prüfen.