Pellet Loss Prevention
Kunststoffgranulat in der Umwelt vermeiden
Kunststoffgranulat ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Kunststoffprodukten. Gleichzeitig gilt: Kunststoffgranulat gehört nicht in die Umwelt. Bereits kleine Verluste von Pellets, Flocken oder Pulvern können zur Entstehung von Mikroplastik in Gewässern, Böden und Ökosystemen beitragen. Deshalb engagiert sich die Kunststoffindustrie seit vielen Jahren für das Ziel „Zero Pellet Loss“ und setzt auf umfassende Präventionsmaßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Mit der neuen europäischen Pellet Loss Prevention Regulation (PLPR) wurden erstmals europaweit verbindliche Anforderungen geschaffen, um Freisetzungen von Kunststoffgranulat zu verhindern und die Umweltverschmutzung durch Mikroplastik nachhaltig zu reduzieren.
Was ist Pellet Loss?
Als Pellet Loss bezeichnet man den unbeabsichtigten Verlust von Kunststoffgranulat, Flocken oder Pulvern während Produktion, Lagerung, Transport, Umschlag oder Verarbeitung. Gelangen diese Materialien in Gewässer oder Böden, können sie als Mikroplastik in der Umwelt verbleiben.
Die Europäische Union sieht Granulatverluste als eine der bedeutendsten Quellen unbeabsichtigt freigesetzten Mikroplastiks. Deshalb verfolgt die EU das Ziel, Freisetzungen von Kunststoffgranulat entlang der gesamten Lieferkette langfristig auf Null zu reduzieren.
Die neue EU-Verordnung zu Pelletverlusten
Mit der Verordnung (EU) 2025/2365 über die Vermeidung der Freisetzung von Kunststoffgranulat gelten künftig europaweit einheitliche Vorgaben für Unternehmen, die Kunststoffgranulat handhaben. Betroffen sind unter anderem Hersteller, Verarbeiter, Recycler, Logistikunternehmen, Lagerstandorte und Reinigungsanlagen. Bereits Unternehmen, die jährlich mindestens fünf Tonnen Kunststoffgranulat handhaben, fallen in den Anwendungsbereich der Verordnung.
Zu den zentralen Anforderungen gehören:
- Erstellung eines Risikomanagementplans
- Identifizierung möglicher Verluststellen
- Maßnahmen zur Vermeidung, Eindämmung und Beseitigung von Granulatverlusten
- Dokumentation und Mitarbeiterschulungen
- Meldepflichten gegenüber Behörden
- Zertifizierungs- oder Konformitätsnachweise je nach Unternehmensgröße und gehandhabter Menge
Die Regelungen gelten schrittweise. Für Wirtschaftsteilnehmer und Frachtführer greifen wesentliche Anforderungen ab Dezember 2027. Einige Pflichten, etwa zur Schulung von Mitarbeitenden und zur Dokumentation, gelten bereits seit Inkrafttreten der Verordnung.
Operation Clean Sweep®: Freiwilliges Engagement der Industrie
Bereits lange vor der europäischen Regulierung hat die Kunststoffindustrie mit Operation Clean Sweep® (OCS) ein internationales Programm zur Vermeidung von Granulatverlusten etabliert. OCS unterstützt Unternehmen dabei, Pellets, Flocken und Pulver entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicher zu handhaben und deren Freisetzung in die Umwelt zu verhindern.
Die teilnehmenden Unternehmen verpflichten sich unter anderem dazu:
- Granulatverluste systematisch zu vermeiden
- Mitarbeitende regelmäßig zu schulen
- Risikobereiche zu identifizieren
- Reinigungs- und Kontrollprozesse einzuführen
- Lieferanten und Logistikpartner einzubeziehen
- Fortschritte kontinuierlich zu überprüfen
Die OCS-Anforderungen bilden zugleich eine wichtige Grundlage für die Umsetzung der neuen europäischen Pellet-Loss-Verordnung.
Wie Unternehmen Granulatverluste vermeiden
Wirksames Pellet Loss Prevention beginnt mit der Analyse möglicher Verlustquellen. Typische Risikobereiche sind:
- Verlade- und Entladevorgänge
- Silos und Lagerflächen
- Transporte innerhalb und außerhalb des Werks
- Reinigungsvorgänge
- Beschädigte Verpackungen oder Big Bags
- Entwässerungssysteme und Kanäle
Zu den bewährten Maßnahmen gehören:
✅ Regelmäßige Standortbegehungen und Hot-Spot-Analysen
✅ Geschlossene oder besonders sichere Verpackungssysteme
✅ Auffangsysteme an Gullys und Entwässerungsanlagen
✅ Dokumentierte Reinigungspläne
✅ Schulungen für Mitarbeitende, Speditionen und Dienstleister
✅ Interne Audits und kontinuierliche Verbesserungsprozesse
Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette
Pellet Loss Prevention endet nicht am Werkstor. Die neue Verordnung erfasst die gesamte Lieferkette von der Produktion über Logistik und Lagerung bis zum Transport auf Straße, Schiene, Binnengewässern und künftig auch auf dem Seeweg. Ziel ist ein gemeinsamer Ansatz aller Beteiligten, um Granulatverluste konsequent zu vermeiden.
Die Kunststoffindustrie arbeitet deshalb eng mit Logistikdienstleistern, Kunden, Recyclingunternehmen und Behörden zusammen, um wirksame Standards entlang aller Prozessschritte umzusetzen.
Plastics Europe Deutschland: Engagement für Zero Pellet Loss
Plastics Europe Deutschland unterstützt seine Mitgliedsunternehmen bei der Umsetzung der neuen Anforderungen, informiert über regulatorische Entwicklungen und fördert den Austausch bewährter Verfahren. Mit Initiativen wie Operation Clean Sweep® trägt die Branche aktiv dazu bei, Granulatverluste zu vermeiden und die Umweltbelastung durch Mikroplastik weiter zu reduzieren.
Unser gemeinsames Ziel ist klar: Kunststoffgranulat ist ein wertvoller Rohstoff und gehört in den Produktionskreislauf, nicht in die Umwelt.
FAQ
Was ist Pellet Loss?
Pellet Loss bezeichnet den unbeabsichtigten Verlust von Kunststoffgranulat, Flocken oder Pulver während Herstellung, Lagerung, Transport oder Verarbeitung.
Was regelt die EU-Pellet-Loss-Verordnung?
Die Verordnung (EU) 2025/2365 verpflichtet Unternehmen zu Maßnahmen zur Vermeidung, Eindämmung und Beseitigung von Kunststoffgranulatverlusten.
Was ist Operation Clean Sweep®?
Operation Clean Sweep® ist ein internationales Programm der Kunststoffindustrie zur Vermeidung von Granulatverlusten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Ab wann gelten die neuen Vorgaben?
Die Verordnung trat 2025 in Kraft. Wesentliche Anforderungen für Unternehmen gelten ab Dezember 2027, für den maritimen Bereich ab Dezember 2028.
Welche Unternehmen sind betroffen?
Grundsätzlich alle Unternehmen, die mindestens fünf Tonnen Kunststoffgranulat pro Jahr handhaben, sowie Transport- und Logistikunternehmen entlang der Lieferkette.