NKWS-Aktionsprogramm zur Kreislaufwirtschaft: Wichtige Impulse – aber keine ausreichende Dynamik für den Markthochlauf

Frankfurt am Main, 3. Juni 2026 Das heute verabschiedete Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) setzt wichtige Impulse für Rohstoffsicherung, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit. Aus Sicht von Plastics Europe Deutschland bleibt das Aktionsprogramm jedoch in zentralen Punkten zu unverbindlich, um den dringend notwendigen Markthochlauf der Kreislaufwirtschaft tatsächlich auszulösen.

„Angesichts der sich verlangsamenden Transformation zur Kreislaufwirtschaft, insbesondere bei Kunststoffen in Europa, und des wachsenden globalen Wettbewerbs braucht das Aktionsprogramm deutlich mehr Verbindlichkeit und echte Marktanreize“, so die Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland Dr. Christine Bunte.

Zu wenig Marktanreize für Rezyklate

Das Aktionsprogramm adressiert zentrale Themen wie den Rezyklateinsatz, den Einsatz biobasierter und bioabbaubarer Kunststoffe sowie den Rezyklateinsatz in Verpackungen und Fahrzeugen. Gleichzeitig bleibt es weitgehend auf der Ebene von Prüfaufträgen und allgemeinen Zielsetzungen stehen. Damit erfüllt das Programm zwar formal die Vorgaben des Koalitionsvertrags, geht jedoch kaum über bestehende Ansätze hinaus.

Begrüßenswert sind die angekündigten Investitionen in die Kreislaufwirtschaft, welche u. a. für Pilot- und Demonstrationsprojekte sowie Start-ups bereitgestellt werden sollen. Aus Sicht der Industrie reicht Innovationsförderung jedoch allein nicht aus. Entscheidend für die Transformation ist ein funktionierender Markt für Sekundärrohstoffe mit verlässlicher Nachfrage, stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen und langfristiger Investitionssicherheit.

Rezyklatlücke absehbar – Antworten bleiben unklar

Mit Blick auf die absehbare Rezyklatlücke ab 2030 greift der Ansatz zu kurz. Das Aktionsprogramm setzt stark auf künftige europäische Vorgaben, ohne nationale Maßnahmen ausreichend zu konkretisieren. Die vorgesehene, zeitlich begrenzte Ansparphase kann kurzfristig Impulse setzen, ersetzt jedoch keinen strukturellen Marktausbau.

Öffentliche Beschaffung bleibt ungenutzter Hebel

Ein zentraler Hebel zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft, die öffentliche Beschaffung, wird im Aktionsprogramm nicht konsequent genutzt. Es fehlen: verbindliche Vorgaben für den Einsatz von Rezyklaten, klare Zielgrößen und eine breite Anwendung über zentrale Sektoren hinweg. Damit bleibt eine wichtige Möglichkeit ungenutzt, gezielt Nachfrage zu schaffen und Märkte zu stabilisieren.

Regulatorische Unsicherheit bremst Investitionen

Auch bei den regulatorischen Grundlagen zeigt das Aktionsprogramm erhebliche Lücken. Es fehlt eine klare Strategie zur Vereinheitlichung der Kriterien für das Ende der Abfalleigenschaft, Vereinfachung bestehender Verfahren sowie zur Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen für innovative Recyclingtechnologien. Diese Unsicherheiten verzögern Investitionsentscheidungen und bremsen den Markthochlauf.

Chemisches Recycling: Potenzial ohne klare Perspektive

Beim chemischen Recycling bleibt das Aktionsprogramm ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Über bestehende Projekte hinaus fehlen klare Anreize für den Ausbau, ein nachvollziehbarer Entwicklungspfad und verbindliche Aussagen zur Anerkennung von Rezyklaten. Ohne diese Klarheit werden die angestrebten Rezyklateinsatzquoten, insbesondere in anspruchsvollen Anwendungen wie Lebensmittelverpackungen, kaum erreichbar sein.

Fazit: Richtige Themen – zu wenig Verbindlichkeit

Insgesamt adressiert die Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm die richtigen Handlungsfelder. Es fehlt jedoch an ausreichender Verbindlichkeit, konkreten Maßnahmen und einem klaren industriepolitischen Rahmen.

„Wenn wir den Markthochlauf der Kreislaufwirtschaft ernsthaft wollen, brauchen wir mehr als politische Ziele – wir müssen ins Handeln kommen. Entscheidend ist ein politischer Rahmen, der Investitionen anregt und Nachfrage schafft. Andernfalls droht Deutschland, seine technologische Führungsrolle weiter zu verlieren“, so Bunte.

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Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, dem Verband der Kunststofferzeuger  © Plastics Europe Deutschland

Über den Verband

Plastics Europe ist der paneuropäische Verband der Kunststoffhersteller mit Büros in ganz Europa. Seit über 100 Jahren prägen Wissenschaft und Innovation die DNA unserer Branche. Unsere Mitglieder stellen über 90 % aller Polymere in der EU27+3 (Norwegen, Schweiz, UK) her. Wir verstehen uns als Impulsgeber der Industrie, mit der Verantwortung, im offenen Dialog mit Stakeholdern sichere, kreislauforientierte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, langfristig positive Veränderungen zu gestalten.


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