Circular Economy Report 2026 zeigt: Die Krise der Wettbewerbsfähigkeit schwächt Klimaziele und strategische Autonomie
- 15,8 % bzw. 8,7 Mio. Tonnen der gesamten Kunststoffproduktion in Europa waren im Jahr 2024 zirkulär, setzten also recycelte Kunststoffe oder Biomasse als Rohstoff ein
- Das Wachstum der zirkulären Produktion hat sich stark verlangsamt von 13,6 % im Jahr 2022 auf lediglich 1,2 % im Jahr 2024
- Das Wachstum der Nachfrage nach zirkulären Kunststoffen ging von 16,2 % im Jahr 2022 auf 4 % im Jahr 2024 zurück
- Die Recyclingquote der gesammelten Kunststoffabfälle in Europa stieg auf 29,6 %
- 70,4 % der gesammelten Kunststoffabfälle werden weiterhin deponiert oder verbrannt
Brüssel: Dienstag, 19. Mai Plastics Europe hat heute seinen zweijährlichen Bericht „Die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe: Eine europäische Analyse“ veröffentlicht.
Er liefert die neuesten Daten (2024) und Einblicke in den Übergang Europas¹ zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Hierzu gehören die Trends bei der Produktion², der Verarbeitung, dem Verbrauch und dem Handel von zirkulären Kunststoffen sowie Daten zum Abfallmanagement.
Der Bericht zeigt: Das Tempo der Transformation zur Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in Europa hat sich deutlich verlangsamt – auch aufgrund wachsenden globalen Wettbewerbs.
Das jährliche Wachstum3 der zirkulären Produktion in Europa ist stark von 13,6 % im Jahr 2022 auf nur noch 1,2 % im Jahr 2024 gesunken. Daraus resultieren 8,7 Mio. Tonnen zirkuläre Produktion (bzw. 15,8 % der Gesamtproduktion). Im Gegensatz dazu hat sich das jährliche Wachstum der globalen Produktion zirkulärer Kunststoffe von 5 % auf 7,7 % erhöht.
Gleichzeitig verliert auch die Nachfrage der europäischen Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen an Dynamik: Das jährliche Wachstum sank von 16,2 % im Jahr 2022 auf 4 % im Jahr 2024.
Neue Handelsdaten zeigen die erhebliche Abhängigkeit der europäischen Kunststofftransformation von externen Wertschöpfungsketten:
19 % der Nachfrage der Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen werden durch Importe gedeckt, und 12,4 % der in Europa gesammelten Abfälle werden in anderen Regionen recycelt.
Noch größer ist die Importabhängigkeit bei fossilbasierten Kunststoffen: Hier werden 25 % der Nachfrage der Verarbeiter durch Importe gedeckt.
Rob Ingram, Präsident von Plastics Europe und CEO von Ineos Olefins & Polymers Europe, erklärte:
„Es ist äußerst besorgniserregend, dass wir gerade in dem Moment, in dem Europa den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft beschleunigen sollte, eine dramatische Verlangsamung beobachten. Infolge hoher Energie- und Rohstoffpreise, steigender Emissionskosten und eines Mangels an fairem Wettbewerb befinden sich Europas Kunststoffhersteller im Überlebensmodus. Unsere Wertschöpfungskette ist nicht in der Lage, die notwendigen Investitionen in die Kreislaufwirtschaft zu tätigen; stattdessen erleben wir eine Dekarbonisierung Europas durch Deindustrialisierung. Wenn dieser äußerst schädliche Trend nicht umgekehrt wird, wird Europa seine Klimaziele nicht erreichen können.“
Europa hält zwar weiterhin den größten Anteil an zirkulären Kunststoffen (15,8 %) im Verhältnis zu seinem gesamten Produktionsmix. Diese Führungsrolle beruht jedoch in erster Linie auf einem deutlichen Rückgang der fossilbasierten Kunststoffproduktion, die zwischen 2022 und 2024 um 8,3 % auf 43,3 Mio. Tonnen gesunken ist.
Virginia Janssens, Geschäftsführerin von Plastics Europe, sagte:
„Wenn wir weiterhin wertvolle sortierte Abfälle exportieren und recycelte Materialien importieren, untergraben wir sowohl unsere industrielle Basis als auch unsere Klimaziele. Wir müssen ein tragfähiges Geschäftsmodell für zirkuläre Kunststoffe in Europa schaffen, indem wir es wirtschaftlich attraktiv machen, unsere Kunststoffabfälle in Europa zu halten und zu recyceln. Unterstützende und zweckmäßige Regulierung ist hierfür ein zentraler Hebel.
Die Golfkrise hat erneut verdeutlicht, wie anfällig Europa für Schocks bei fossilen Ressourcen ist – und dass eine starke europäische Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe kein „Nice-to-have“, sondern unabdingbar ist. Kunststoffabfälle sind ein wertvoller Rohstoff, der Europa die Chance gibt, zu einem ressourcenstarken Kontinent zu werden. Es ist an der Zeit, die Verantwortung für unsere Kreislaufwirtschaft zurückzugewinnen – beginnend damit, strategische Ressourcen in Europa zu halten und zu nutzen.“
Zwar haben sich die Recyclingquoten auf 29,6 % verbessert, doch das Ausmaß und die Komplexität der Aufgabe für politische Entscheidungsträger und das europäische Kunststoffsystem dürfen nicht unterschätzt werden. Über 70 % der in Europa gesammelten Kunststoffabfälle – ein wertvoller zirkulärer Rohstoff, der die Abhängigkeit Europas von fossilen Ressourcen verringern könnte – wurden auch 2024 weiterhin der Verbrennung (16,0 Mio. Tonnen, 48,9 %) und der Deponierung (7,0 Mio. Tonnen, 21,5 %) zugeführt.
Obwohl die Europäische Kommission die strategische Bedeutung der kunststofferzeugenden Industrie im Rahmen des Industrial Accelerator Act anerkannt hat, mangelt es den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen der EU an den notwendigen Marktsignalen, der erforderlichen Skalierung und der Geschwindigkeit, um die aktuellen Trends umzukehren.
Dringender Handlungsbedarf besteht sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene. Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie wiederherzustellen und Investitionen in zirkuläre Kunststoffe im großen Maßstab zu ermöglichen. Dabei müssen insbesondere die hohen Energie- und Emissionskosten in Europa adressiert, faire Handelsbedingungen und gleiche Wettbewerbsbedingungen sichergestellt sowie eine starke Marktnachfrage nach zirkulären Kunststoffen durch ambitionierte Market-Pull-Instrumente geschaffen werden. Gleichzeitig gilt es, das wirtschaftliche Potenzial eines harmonisierten Binnenmarkts zu erschließen.
„Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe muss zu einer zentralen Priorität für Europa werden. Der Circular Economy Act muss echten Wandel vorantreiben und Zirkularität zu einer attraktiven Geschäftsmöglichkeit in Europa machen. Ohne entschlossenes Handeln besteht die Gefahr, dass wir die Vorteile unserer eigenen Transformation verlieren, während andere Regionen die industrielle und wirtschaftliche Wertschöpfung daraus ziehen. Zirkularität ist nicht nur ein Umweltziel, sondern auch ein industriepolitisches Ziel“, sagte Janssens.
Janssens fügte hinzu: „Europa ist Heimat vieler der weltweit innovativsten und zukunftsorientiertesten Kunststoffhersteller und war ein Vorreiter beim Übergang zu einem zirkulären Kunststoffsystem. Mit der richtigen Unterstützung können wir ein starkes Kreislaufsystem für Kunststoffe aufbauen, das die nächste Generation der Industrie in Europa trägt und seine wirtschaftliche Resilienz und Sicherheit gewährleistet.“
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1 EU27, Großbritannien, Schweiz und Norwegen
2 Einschließlich mechanisch, physikalisch und chemisch recycelter Kunststoffe sowie Kunststoffe, die aus biobasierten Rohstoffen gewonnen wurden
3 Zusammengesetzte jährliche Wachstumsrate (CAGR) – Anmerkung an die Redaktion: Die jährlichen Wachstumsdaten für die europäische Kreislaufproduktion und die Nachfrage nach Konvertern in den Jahren 2022 und 2024 spiegeln die ‚zusammengesetzten jährlichen Wachstumsraten‘ (CAGR) für die Perioden 2018–2022 bzw. 2022–2024 wider.
Über Plastics Europe
Plastics Europe ist der paneuropäische Verband von Kunststoffherstellern mit Niederlassungen in ganz Europa. Seit über 100 Jahren sind Wissenschaft und Innovation die DNA, die unsere Branche durchzieht. Mit Mitgliedern, die über 90 % aller Polymere in der EU27+3 (Norwegen, Schweiz, Großbritannien) produzieren, sind wir der Katalysator für die Branche mit der Verantwortung, offen mit Stakeholdern in Kontakt zu treten und Lösungen zu liefern, die sicher, zirkulär und nachhaltig sind. Wir setzen uns dafür ein, nachhaltige, positive Veränderungen umzusetzen.

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