Plastikabgabe: Falsches Signal zur falschen Zeit

Geplante Abgabe schadet Umwelt und Industrie

Frankfurt am Main, 29. April 2026 – Plastics Europe Deutschland, der Verband der Kunststofferzeuger, lehnt die vom Bundesfinanzministerium vorgeschlagene Plastikabgabe klar ab. Der Vorstoß, der in den heute vorgestellten Eckwerten zum Bundeshaushalt 2027 und der Finanzplanung bis 2030 enthalten ist, soll zur Schließung des Haushaltslochs beitragen – ginge jedoch gleichermaßen zu Lasten von Wirtschaft und Umwelt.

Zusätzliche Belastung für eine Branche unter Druck

Einige Kunststoffprodukte unterliegen bereits heute der sogenannten Sonderabgabe zugunsten des Einwegkunststofffonds. Die geplante zusätzliche Abgabe soll der nationalen Umlage des EU‑Eigenmittels aus nicht‑recycelten Kunststoffverpackungen dienen. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage wäre eine weitere Abgabe ein fatales industriepolitisches Signal. Die Kunststoffindustrie leidet bereits heute unter hohen Energiepreisen, bürokratischen Hürden, wachsender Regulierung und deutlichen Wettbewerbsnachteilen. Während die weltweite Kunststoffproduktion weiter wächst, ist die Produktion in Deutschland innerhalb von vier Jahren um 26 Prozent zurückgegangen. Eine nationale Sonderabgabe würde diese Entwicklung verschärfen und Investitionen sowie Arbeitsplätze zusätzlich gefährden.

Keine Lenkungswirkung – falsche ökologische Anreize

Auch aus ökologischer Sicht ist der Vorschlag fatal. Während das EU-Eigenmittel „Plastikabgabe“ eine Lenkungswirkung lediglich verfehlt, versursacht eine national umgesetzte einseitige Plastikabgabe eine Lenkungswirkung gegen Recycling und Kreislaufwirtschaft. Bereits 2023 hatte das Umweltbundesamt (UBA) in seiner Studie „Untersuchung ökonomischer Instrumente auf Basis des EU-Eigenmittels für nicht recycelte Kunststoffverpackungsabfälle“ klar festgestellt: Eine materialbezogene Abgabe entfaltet keine positive Lenkungswirkung für Klima‑ und Ressourcenschutz, sondern löst erhebliche Substitutionseffekte aus und ist ökologisch nicht sinnvoll.

Eine einseitige Plastikabgabe schadet Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz: In der Praxis wird häufig auf alternative Materialien ausgewichen, die oft ressourcenintensiver sind und schlechter recycelt werden können. Besonders problematisch sind faserbasierte, kunststoffbeschichtete Verbundverpackungen. Sie gelten statistisch als Kunststoffvermeidung, führen jedoch häufig zu mehr Abfall und geringerer Recyclingfähigkeit. Bereits 2023 kam das Umweltbundesamt zu dem Schluss, dass eine einseitige Kunststoffbelastung kein geeignetes Instrument ist.

Dass nun erneut ein solcher Vorstoß unternommen wird, ist fachlich wie industriepolitisch nicht nachvollziehbar. Besonders erstaunlich ist der Zeitpunkt des Vorstoßes. So hat Österreich erst vor einer Woche aus den genannten Gründen entschieden, eine nationale Umlage der Abgabe nicht weiterzuverfolgen.

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Transformation braucht Anreize statt Symbolpolitik

Plastics Europe Deutschland weist die Idee einer nationalen Plastikabgabe daher entschieden zurück. Statt neuer Belastungen braucht es gezielte Anreize, die Kreislaufwirtschaft tatsächlich stärken – wie einer Ökomodullierung der Lizenzentgelte im Verpackungsbereich (§ 26 VerpackDG), die zirkuläres Verpackungsdesign und den Einsatz nicht-fossiler Rohstoffe konsequent belohnt.

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Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, dem Verband der Kunststofferzeuger  © Plastics Europe Deutschland

Über den Verband

Plastics Europe ist der paneuropäische Verband der Kunststoffhersteller mit Büros in ganz Europa. Seit über 100 Jahren prägen Wissenschaft und Innovation die DNA unserer Branche. Unsere Mitglieder stellen über 90 % aller Polymere in der EU27+3 (Norwegen, Schweiz, UK) her. Wir verstehen uns als Impulsgeber der Industrie, mit der Verantwortung, im offenen Dialog mit Stakeholdern sichere, kreislauforientierte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, langfristig positive Veränderungen zu gestalten.


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