Frankfurt am Main, 08.07.2026 – Plastics Europe Deutschland kritisiert die geplante Einführung einer nationalen Plastiksteuer entschieden. Eine Plastiksteuer wäre eine gravierende politische Fehlentscheidung mit absehbar negativen Folgen für Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz sowie für Industrie und Verbraucher.
Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, hierzu: „Wir sind fassungslos, dass die Bundesregierung trotz der ihr bekannten schädlichen Auswirkungen für Umwelt, Industrie und Gesellschaft an einer einseitigen, nationalen Plastiksteuer festhält. Diese Steuer bringt fatale Fehllenkungen für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft mit sich, ist eine weitere Mehrbelastung für eine Industrie in Krisenzeiten und führt zu spürbaren Verteuerungen für Verbraucher. Anstatt zielführende Alternativen zur Staatsfinanzierung und zum Vorantreiben der Kreislaufwirtschaft zu erarbeiten, hält der Finanzminister am erwiesenermaßen falschen Narrativ des ökologischen Nutzens fest und kalkuliert mit Einnahmen, von denen noch nicht einmal klar ist, wer diese in welcher Höhe zahlt. Das ist finanzpolitisch bequem, aber industriepolitisch fatal.“
Zusätzliche Belastung für Industrie und Verbraucher
Die deutsche Industrie leidet bereits unter hohen Energiekosten, massiven Importdruck und Bürokratie. Die Kunststoffproduktion in Deutschland ist innerhalb von vier Jahren um 26 Prozent gesunken, während die globale Produktion weiter wächst. Eine zusätzliche Abgabe schwächt erneut eine Branche, die einschließlich Verarbeitung und Maschinenbau für rund sieben Prozent der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe steht und damit ein wichtiger Pfeiler unseres Wohlstands. Hinzu kommt, dass die Steuer in ohnehin angespannten Zeiten zu spürbaren Preissteigerungen für Verbraucher führen wird.
Bürokratische Kosten in keinem Verhältnis zu Einnahmen
Während Umfang und Ausgestaltung der zusätzlichen Nachweis-, Melde- und Dokumentationspflichten für die Steuer noch völlig offen sind, ist eins klar: Die Einnahmen werden mit erheblichem bürokratischen und verwaltungstechnischen Mehraufwand einhergehen. Allein die Bürokratiekosten werden auf mindestens 600 Millionen Euro jährlich bei rund 1,2 Millionen betroffenen Unternehmen geschätzt, hinzu kommen erhebliche staatliche Vollzugskosten. Dem stehen erwartete Einnahmen von weniger als 1,4 Milliarden Euro gegenüber. Die Bundesregierung konterkariert damit ihr gerade erst beschlossenen Reformen zum Bürokratierückbau und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Bärendienst für Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz
Besonders problematisch sind auch die ökologischen Folgen. Das Umweltbundesamt hat bereits 2023 aufgezeigt, dass eine einseitige Belastung von Kunststoff-verpackungen zu erheblichen Fehlsteuerungen zugunsten anderer Materialien und Verbundverpackungen führen kann. Die ambitionierten EU-Vorgaben für den Rezyklateinsatz wären bei einer weiteren Zunahme nicht recycelbarer Verbundverpackungen noch schwerer erreichbar. Gleichzeitig nähmen CO₂-Emissionen und Verpackungsabfälle zu: Bereits die Substitution von nur zehn Prozent der Kunststoffverpackungen durch alternative Materialien könnte das Verpackungsabfallaufkommen um 10 bis 20 Prozent und die Treibhausgasemissionen um 10 bis 14 Prozent erhöhen.
Dr. Bunte weist darauf hin, dass echte Lösungen bereits in Sicht sind: „Statt neuer Belastungen braucht es wirksame Anreize für kreislauffähiges Verpackungsdesign, den Einsatz von Rezyklaten und Investitionen in moderne Recyclingstrukturen. Instrumente wie die im Verpack-DG vorgesehene Ökomodulierung der Lizenzentgelte bieten eine tatsächliche ökologische Lenkungswirkung und stärken die Transformation hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft“.
Plastics Europe Deutschland appelliert daher eindringlich an die Bundesregierung, von der Einführung einer nationalen Plastiksteuer abzusehen und zielführende Alternativen sowohl bei der Haushaltsfinanzierung als auch bei der Kreislaufwirtschaft zu verfolgen.
Pressefotos zum freien Download

Über den Verband
Plastics Europe ist der paneuropäische Verband der Kunststoffhersteller mit Büros in ganz Europa. Seit über 100 Jahren prägen Wissenschaft und Innovation die DNA unserer Branche. Unsere Mitglieder stellen über 90 % aller Polymere in der EU27+3 (Norwegen, Schweiz, UK) her. Wir verstehen uns als Impulsgeber der Industrie, mit der Verantwortung, im offenen Dialog mit Stakeholdern sichere, kreislauforientierte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, langfristig positive Veränderungen zu gestalten.

Ihre Ansprechpartnerin bei Plastics Europe Deutschland:
Bettina Dempewolf
Leiterin Kommunikation
Telefon: +49 171 9713962
Inklusive PDF-Report und Pressefotos.