Frankfurt am Main, 17. März 2026 – In Europa stehen zu wenig recycelte Kunststoffe zur Verfügung, um den wachsenden Bedarf der Automobilindustrie zu decken. Das zeigt eine neue BKV-Studie, die im Vorfeld der Automotive-Fachmesse PIAE in Baden-Baden veröffentlicht wurde.
Neues EU-Gesetz fordert mehr recycelte Kunststoffe im Auto
Ende Februar 2026 hat der gemischte Ausschuss ENVI / IMCO für die im Trilog erzielte vorläufige Einigung an der finalen Version der EU-Altfahrzeugverordnung (End-of-Life Vehicles Regulation, ELVR) gestimmt. Damit gilt der Inhalt weitgehend als ausgehandelt. Es folgen nun formelle Lesungen im Umweltrat und im Plenum. Die Verordnung setzt erstmals verbindliche Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffe in neuen Fahrzeugmodellen fest und soll das Fahrzeugdesign stärker auf Kreislauffähigkeit ausrichten.
Sechs Jahre nach Inkrafttreten müssen alle in der EU neu eingeführten Fahrzeugmodelle in ihren Kunststoffkomponenten mindestens 15 Prozent recyceltes Material enthalten, nach zehn Jahren mindestens 25 Prozent; mindestens ein Fünftel davon muss aus Altfahrzeugen stammen (Car-to-Car-Recycling). Die Vorgaben gelten für nahezu alle Fahrzeugsegmente.
Hochwertiges Rezyklat ist knapp
Eine neue Studie der Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV GmbH zeigt jedoch, dass es in der EU selbst in optimistischen Szenarien bei weitem nicht genügend hochwertiges Rezyklat aus Post Consumer Abfällen gibt, um diese Anforderungen zu erfüllen.
Besonders kritisch ist die Angebotslücke bei post-consumer basierten PP-Rezyklaten, deren Nachfrage im Automobilsektor so stark steigt, dass die Industrie langfristig bis zu 45 Prozent der am Markt verfügbaren Mengen benötigen würde, um die Ziele zu erfüllen. Für OEMs und Zulieferer bedeutet das erheblichen Anpassungsdruck, da Sammel-, Sortier- und Recyclingkapazitäten bislang nicht im erforderlichen Umfang ausgebaut sind.
Die Recycling-Infrastruktur muss schneller wachsen
Dr. Aliaksandra Shuliakevich von Plastics Europe Deutschland, dem Verband der Kunststofferzeuger, betont, dass die Versorgungslücke nur geschlossen werden kann, wenn die Infrastruktur für hochwertiges Recycling deutlich schneller wächst als bisher. „Um das gesamte Ressourcenpotenzial des Altautomobilsektors effektiv zu nutzen, braucht es dringend Investitionen in effiziente Rücknahmesysteme, moderne Sammel- und Sortiertechnologien sowie in den Ausbau innovativer Recyclingverfahren, wie dem chemischen, lösemittelbasierten und enzymatischen Recycling.“
Berlin und Brüssel müssen jetzt handeln und der angeschlagenen Industrie den Weg für zukunftssichere Investitionen freimachen, damit Europa im Wettlauf um hochwertiges Rezyklat nicht nur mithält, sondern einen echten Technologievorsprung aufbaut, so Shuliakevich.
Eine Lang- und eine Kurzfassung der Rezyklat-Studie können auf der Website der BKV GmbH erworben werden: https://www.bkv-gmbh.de/nachrichtenleser/neue-bkv-studie-zur-rezyklatverfuegbarkeit-im-automobilsektor.html
Beim Automotive Workshop von Plastics Europe Deutschland im Rahmen der PIAE werden die Studienergebnisse im Detail diskutiert, zusammen mit Christoph Lindner, Conversio Market & Strategy GmbH, und Dr. Erik Licht, LyodellBasell, sowie weiteren ausgewiesenen Branchenexperten.
Titel: Rezyklate auf die Straße bringen
Datum: 18. März, 14:30 – 16:00 Uhr
Ort: PIAE, Baden-Baden, Kongresshaus
Speaker: BASF, LyondellBasell, Borealis, MOCOM Compounds, Fraunhofer UMSICHT, Deloitte Sustainablity & Climate
Grafiken zum freien Download

Über den Verband
Plastics Europe ist der paneuropäische Verband der Kunststoffhersteller mit Büros in ganz Europa. Seit über 100 Jahren prägen Wissenschaft und Innovation die DNA unserer Branche. Unsere Mitglieder stellen über 90 % aller Polymere in der EU27+3 (Norwegen, Schweiz, UK) her. Wir verstehen uns als Impulsgeber der Industrie, mit der Verantwortung, im offenen Dialog mit Stakeholdern sichere, kreislauforientierte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, langfristig positive Veränderungen zu gestalten.

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