Virginia Janssens, Managing Director von Plastics Europe AISBL, sagt:
Brüssel, 24.12. 2025 – Die EU-Kommission hat noch vor Weihnachten ihr Winterpaket zur Förderung der Kreislauffähigkeit von Kunststoffen vorgelegt und macht damit deutlich, dass dringend gehandelt werden muss, um die ins Stocken geratene Transformation hin zu einer kreislauforientierten Kunststoffwirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Das ist ein wichtiges und positives Signal.
Um Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab zu ermöglichen, reichen die vorgeschlagenen Maßnahmen jedoch noch nicht aus. Sie stellen lediglich einen ersten Schritt dar. Zudem braucht es zusätzliche rechtliche Klarheit, damit in den Mitgliedstaaten und entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen geschaffen werden. Plastics Europe versteht das Paket daher als Auftakt zu weiteren Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärken sollen. Weitere politische Schritte werden folgen müssen.
Die Einführung harmonisierter End-of-Waste-Kriterien für mechanisch recycelte Kunststoffe ist ein begrüßenswerter Schritt. Sie trägt zum Abbau von Bürokratie, zur Stärkung eines funktionierenden Binnenmarktes und zur Entlastung eines unter Druck stehenden Sektors bei. Die End-of-Waste-Kriterien ausschließlich auf das mechanische Recycling zu reduzieren, birgt jedoch die Gefahr, Europas Kreislaufwirtschaftsziele zu untergraben. Um die langfristige Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Kunststoffindustrie zu sichern, müssen die End-of-Waste-Kriterien auf alle verfügbaren Recyclingtechnologien sowie auf Sekundärrohstoffe ausgeweitet werden.
Die Europäische Union muss jetzt entschlossen und koordiniert handeln. Nur so lassen sich die notwendigen Investitionen in Kreislaufwirtschaft und Innovation mobilisieren. Dies geht Hand in Hand mit der Aufgabe, die industrielle Basis der EU und ihre wirtschaftliche Sicherheit zu stärken. Dazu gehören technologieoffene Rahmenbedingungen, die alle Kreislauftechnologien voranbringen, wirksame Maßnahmen gegen die hohen Energie- und CO₂-Kosten in Europa sowie klare und verlässliche Gesetzgebung, die der Industrie Planungssicherheit gibt. Nur so können Unternehmen in Europa investieren und zugleich global wettbewerbsfähig bleiben.
Ein Beispiel hierfür ist der seit Langem erwartete europäische Rechtsrahmen für Investitionen in das chemische Recycling. Heute wurden den Mitgliedstaaten die anwendungsbezogenen Regelungen für Kunststoffflaschen im Rahmen der SUP-Richtlinie zur abschließenden Abstimmung vorgelegt. Ohne einen wettbewerbsfähigen und geeigneten regulatorischen Rahmen, der den jeweiligen Anwendungsbereich berücksichtigt, werden geplante Investitionen in die Kreislaufwirtschaft nicht in Europa stattfinden.
Gleichzeitig verändern sich die globalen Handelsströme sehr schnell. Das macht eine deutlich bessere Überwachung an den EU-Grenzen erforderlich.
Plastics Europe hat deshalb schon frühzeitig vorgeschlagen, ein Handelsobservatorium für Chemikalien und Kunststoffe einzurichten, das Handelsströme in Echtzeit erfasst. So ließe sich die notwendige Transparenz schaffen, um faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen und bei Bedarf rechtzeitig handelspolitisch reagieren zu können. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Initiative der Kommission, die Kunststoffimporte zu überwachen.
Wir sind bereit, konstruktiv mit der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten, um dieses erste Maßnahmenpaket weiterzuentwickeln und umzusetzen. Zugleich werden wir uns aktiv an Initiativen wie der neuen Circular Plastics Alliance beteiligen und politische Lücken identifizieren, um die aktuelle Wettbewerbsfähigkeitskrise anzugehen. Ziel ist es, Kreislaufwirtschaft in Europa in großem Maßstab voranzubringen, mit Blick auf den Circular Economy Act im Jahr 2026.
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Über den Verband
Plastics Europe ist der paneuropäische Verband der Kunststoffhersteller mit Büros in ganz Europa. Seit über 100 Jahren prägen Wissenschaft und Innovation die DNA unserer Branche. Unsere Mitglieder stellen über 90 % aller Polymere in der EU27+3 (Norwegen, Schweiz, UK) her. Wir verstehen uns als Impulsgeber der Industrie, mit der Verantwortung, im offenen Dialog mit Stakeholdern sichere, kreislauforientierte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, langfristig positive Veränderungen zu gestalten.

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